Stellen Sie sich vor: Künstliche Intelligenz programmiert Ihnen qualitativ hochwertige Software. Stellen Sie sich weiter vor: Sie müssen sich nicht einmal überlegen, welche Funktionen das Programm haben soll, wie es aussieht und wie es sich bedient. Sie lassen einfach nachbauen, was sich bei den großen Herstellern seit Jahren bewährt hat.
Was nach Gedankenspiel klingt, passiert bereits. Das Projekt ArtCraft zeigt auf getartcraft.com/apps zwölf Anwendungen: Bildbearbeitung, Vektorgrafik, Videoschnitt, Raw-Entwicklung für Fotos, PDF-Werkzeuge, Motion Graphics, Seitenlayout, Textverarbeitung, Audio, Präsentationen, CAD und Tabellenkalkulation. Das sind genau die Kategorien, in denen Adobe und andere Hersteller ihre Abonnements verkaufen.
Zwölf Programme, die es so noch vor Kurzem nicht gab
Die Eckdaten der Seite sind bemerkenswert:
- Open Source und kostenlos: Der Quellcode liegt öffentlich auf GitHub unter freizügigen Lizenzen.
- Vertraute Bedienung: Aufbau, Werkzeuge und Tastenkürzel orientieren sich an dem, was Profis bereits kennen. Es gibt nichts umzulernen.
- Lokal statt Cloud: Die Programme laufen nativ (als echte Desktop-Anwendungen) auf Ihrem Rechner und arbeiten mit Ihren Dateien, ohne Umweg über fremde Server.
- Für KI-Agenten gebaut: Jede Anwendung lässt sich per Kommandozeile oder über einen MCP-Server (eine Schnittstelle, über die KI-Assistenten Programme steuern) bedienen.
Wie viel KI genau beim Bau im Spiel war, verrät die Seite nicht. Mein Eindruck: Zwölf Programme dieser Größe in dieser Breite sind mit klassischer Entwicklung kaum zu stemmen. Ob es so war, kann ich nicht belegen.
Und ich will ehrlich bleiben: Die meisten dieser Programme tragen auf der Seite den Status „in Entwicklung“, Bildbearbeitung und PDF-Werkzeug sogar „frühe Alpha“. Wer morgen seine Creative-Cloud-Lizenz kündigt, wird das merken. Aber die Richtung stimmt, und die Geschwindigkeit ist der eigentliche Punkt.
Wer zahlt noch 70 Euro im Monat?
Adobes Creative Cloud kostet regulär über 70 Euro im Monat, also mehr als 840 Euro im Jahr. Dem steht ein Nachbau gegenüber, der nichts kostet, lokal läuft und sich bedient wie das Original. Wie weit das bereits gediehen ist, zeigt dieses Video:
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Der Grund, warum das jetzt möglich wird, ist einfach: Die schwierigsten Fragen der Softwareentwicklung sind bei einem Nachbau bereits beantwortet. Welche Funktionen braucht ein Bildeditor? Wie ordnet man Menüs an? Wie sehen Ebenen aus? Das alles hat der Markt über Jahrzehnte getestet. Die Vorlage ist das Pflichtenheft.
Wer ein Produkt mit Jahrzehnten an Entwicklungsarbeit verkauft, verkauft dann nicht mehr den Code, sondern vor allem Gewohnheit. Und Gewohnheit lässt sich kopieren.
Das Tippen starb zuerst, das Denken nicht
Die Softwareentwicklung hat es als erste Branche erwischt, weil sich Code besonders gut für KI eignet: Er ist Text, er lässt sich sofort ausführen und prüfen. Was dabei verschwindet, ist die Tipparbeit. Boilerplate, Standardoberflächen, bekannte Funktionen. Ich habe das bereits in Wie KI meinen Arbeitsalltag verändert hat beschrieben.
Was bleibt, ist anspruchsvoller als zuvor:
- Wissen, was gebraucht wird: Eine KI baut, was Sie beschreiben. Ob es zu Ihrem Ablauf passt, entscheiden Sie.
- Prüfen und absichern: Ein Nachbau ist nicht automatisch sicher oder datenschutzkonform. Architektur, Sicherheit und Fehlerfälle muss jemand beurteilen, der es kann. Wo KI dabei an Grenzen stößt, zeigt dieser Artikel.
- Betrieb und Verantwortung: Software muss laufen, aktualisiert und gesichert werden. Das bleibt Handarbeit.
Der Wert wandert also vom Produkt zur Leistung drumherum. Und für Anwender bedeutet das: Abhängigkeiten von Herstellern, die Preise nach Belieben anheben dürfen, werden verhandelbar. Das ist die Lizenzspirale, nur von der anderen Seite betrachtet.
Was das für meine eigene Arbeit bedeutet
Ich erlebe diese Verschiebung täglich. Früher brauchte eine eigene Anwendung ein Team und ein Budget. Heute kann ich Web-Apps und sogar Smartphone-Apps selbst erstellen, ganz nach Wunsch, in hoher Qualität und mit genau dem Verhalten, das ich möchte.
Wie das aussieht, zeigen meine Apps und Referenzen: KumaWatch ist eine native App für iOS und iPadOS, die selbst betriebene Uptime-Kuma-Monitoring-Server überwacht, ohne Tracking, ohne Werbung, ohne externe Server. Für den DAV Augsburg habe ich einen Flipbook-Viewer gebaut, der ISSUU ablöst: werbefrei, DSGVO-konform, ohne Abo-Kosten.
Mein Vorgehen dabei ist immer gleich: Ich definiere die Anforderung, die KI liefert den Entwurf, und ich prüfe Architektur, Sicherheit und Datenschutz, bevor etwas auf einem Server in Deutschland live geht. Oder, wie ich es an anderer Stelle formuliert habe:
„Heutzutage geht es weniger darum, wer wie gut im Programmieren ist, sondern wie gut man ist, der KI die richtigen Anweisungen (Prompts) zu geben.“ – Axel Jung
Für Sie als Unternehmen heißt das: Eine Software, die zu Ihrem Ablauf passt, ist keine Großinvestition mehr. Statt ein Abo zu mieten, das mehr kann, als Sie brauchen, und weniger, als Sie bräuchten, bekommen Sie eine Lösung, die Ihnen gehört.
Fazit: Software ist nicht wertlos, aber ihr Preisschild wackelt
Standardsoftware ohne Alleinstellungsmerkmal verliert an Wert, weil Nachbauen billig geworden ist. Wer dagegen Verantwortung, Betrieb und Wissen um den konkreten Anwendungsfall liefert, wird wichtiger. Die Frage ist nicht mehr, ob es das Programm schon gibt, sondern ob es genau das tut, was Sie brauchen.
Welches Ihrer Software-Abos ließe sich durch eine eigene Lösung ersetzen?
Seit 30 Jahren entwickle und betreibe ich Software und Serverlandschaften. In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns an, was bei Ihnen Sinn ergibt, sachlich und unverbindlich. Schreiben Sie mir über das Kontaktformular oder direkt per WhatsApp.